Von Piketty nach Griechenland, von Lunpark21 zum „FaktenCheckHellas“

In den letzten Monaten ist auf diesem Blog nicht viel passiert. Das heißt aber nicht, daß der Autor auf der faulen Haut lag: Organisierend und schreibend hatte ich durchaus viel zu tun. Im Dezember erschien in Heft der lunapark21 ein längerer Text zu Thomas Pikettys Buch „Das Kapital im XXI. Jahrhundert“: Der Zahlenteufel. Auf der Website von Lunapark21 war der Text teilweise zu lesen. Hier nun komplett, genau wie im Heft (Das heißt auch: mit allen Druckfehlern. Die Überschrift von Grafik 1 ist falsch, dort sind nur die Anteil der oberen 1-Prozent an allen Einkommen in den USA und Frankreich eingetragen.)
Der Schwerpunkt der letzten Ausgabe von Lunapark21 ist der Konflikt um die Griechenland. Beigesteuert habe ich dazu einen Text über die Hintergründen der EZB-Politik: Wie funktioniert die Geldpolitik der Zentralbank – und warum taugt sie als Druckmittel gegenüber der neuen griechischen Regierung? Der Beitrag findet sich auf unsere Internetseite und auch hier: Kreditfragen sind Eigentumsfragen. Die EZB,die Finanzmärkte und Griechenland.
Nun ist Lunapark21 mit der aktuellen Ausgabe auch in Österreich, der Schweiz und Luxemburg an ausgewählten Kiosken zu haben. Zusammen mit den Abos verkaufen wir über 2000 Exemplare jedes Heftes. Das ist gut – aber politisch nicht ausreichend. Deshalb haben eine Reihe von Leuten ein anderes Format erfunden: Heute liegt der
Auflage der Tageszeitung „jungeWelt“ ein aktuelles, achtseitiges Zeitungsprojekt bei: FaktencheckHellas. Solidarität mit der Bevölkerung in Griechenland. Seit gestern ist die Internetseite am Start: www.faktencheckhellas.net, mit den Texten der Artikel, freiem Download, Bestellmöglichkeit – und Spendenkonto. Am Dienstag, den 7. April, gehen nochmal etwa 20.000 Exemplare in den Direktvertrieb.
Das Projekt wird zum Glück von vielen Menschen unterstützt. Realisiert wurde es von einem kleinen Kreis von Leuten innerhalb von 10 Tagen. Langsam kehren wir vom außerordentlichen zum ordentlichen Stress zurück. Dabei fängt die eigentliche politische Arbeit erst an: Erst wenn die Zeitungen nicht nur verschickt, sonder verteilt, gelesen und diskutiert wurden, erst dann lässt sich sagen, ob wir einen Schritt in der Solidaritätsarbeit vorangekommen sind. Viele Fragen sind noch offen. Viele Diskussionen müssen noch geführt werden. Eine nachhaltige politische Arbeit braucht kollektive Strukturen. Was das heißt habe ich am Schluss meines Beitrags aufzuschreiben versucht:

Es waren nicht zuletzt die Niederlagen der Gewerkschaften seit 1990, die den deutschen Unternehmen ihren Platz an der Sonne geschaffen haben. Nach solchen Erfolgen an der ökonomischen Heimatfront konnte sich das deutsche Kapital auf die – friedliche – Eroberung fremder Märkte konzentrieren. Dort führt es vor, was erfolgreicher Imperialismus ist: die höchste Form der freien Konkurrenz. Oder, um es in der moralischen Sprache der neuen Zivilgesellschaft zu formulieren: das Recht des Stärkeren. Dieses Recht verteidigt die EZB, wenn sie auf der „Einhaltung der Regeln“ besteht. Solange die Schwachen schwach bleiben, hilft alle Empörung darüber nichts. Es geht um politische und soziale Organisationen, in denen die Erfahrungen ermüdender Konkurrenz und alltäglichen Klassenkampfes verarbeitet werden können – hier wie in Griechenland.
(Privat geht vor Katastrophe. Die EZB: Beihilfe zu Kapitalflucht und Kontrolle)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Euroland, Gewerkschaften, Interventionen, lunapark21 abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Von Piketty nach Griechenland, von Lunpark21 zum „FaktenCheckHellas“

  1. redrudn schreibt:

    Genau darum ging es auch 40 Jahre lang zwischen 1945/1949 und 1990 in der Mitte Europas – sich von den durch die Kriegs- und Nachkriegsentwicklungen der Kapitalverwertungsgesellschaft aufgezwungenen sozialen Einhegungen wieder zu befreien und so den deutschen Unternehmen den Platz an der Sonne zurückzugeben. Leider unterstützten die (west-) deutschen Gewerkschaftsführungen diesen Befreiungsprozess aktiv unter dem Motto der Hilfe für den Osten bei der Transformation von der diktatorischen Kommandowirtschaft zur wieder mehr freien als vorherigen sozialen Marktwirtschaft, die natürlich korrekterweise sozial eingehegte Kapitalverwertungswirtschaft heißen müsste. Eine klare Sprache hatten die Kapitalverwerter und ihre politischen Interessenwahrer und medialen Sprachrohre den Westdeutschen inzwischen abgewöhnt und die sowjetzonalen Neubürger beeilten sich nach ihrer Befreiung durch Günter Krause und Wolfgang Schäuble diese Sprachverballhornung ganz schnell zu übernehmen. So redet jeder stramme ehemalige Ostzonen-Gewerkschafter wie selbstverständlich seitdem von Arbeitnehmern und Arbeitgebern oder von Lohnnebenkosten oder vom Lohn als Belohnung für geleistete Arbeit, so als hätte er es nie besser gewusst. Leider fehlt bei den allermeisten Volkssprachlern in Ost und West das Bewusstsein, trotz des Sieges über die leninistisch stalinistische Verballhornung der Genossenschaftsgesellschaft eine Niederlage im diese Gesellschaft prägenden Widerstreit zwischen Kapital und Arbeit erlitten zu haben. Du, Sebastian, gehörst zu den rühmlichen Ausnahmen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s